Handspindel
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                  nemo-ignorat
          pflanzenfarbextrakte
                       und
            textile accessoires



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Meine beiden Blogwächter



Ramses, der Kleine



Bobic, das Dickerchen 

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Farben / Dyeing

Und nu ....?!


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gesponnen aus nicht mehr identifizierbaren Fasern (es war weich und hatte wohl Seidenanteil) und gefärbt. Und nun steh ich da. Eigentlich wollte ich einen fair isle Pullover draus stricken. Irgendwas in Richtung Rowan aus einem der letzten Magazine. Aber dann ist wohl wieder das Färbefieber mit mir durchgegangen und nun habe ich schon wieder einen ganzen Regenbogen an Farben. (Sie sind übrigens in realiter ein wenig kräftiger im Ton, insbesondere die Grüntöne) An sich gefallen mir die Garne, aber das Ergebnis ist doch eher unerwartet. Ich müsste mich einfach mal beim Färben mehr zusammenreißen, denke ich ;o)
Mal sehen, ich muss drüber nachdenken.

Handspindel 01.11.2011, 16.40 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Beizen von Baumwolle und Leinen

Ich arbeite nun schon seit einigen Jahren nur noch mit pflanzengefärbten Stoffen. Baumwolle und Leinen sind meine Hauptfasern, doch ich habe auch schon mit dem Nepalbrennesselstoff gearbeitet und diversen Hanfstoffen. Gemäß der Fachliteratur habe ich alle möglichen Art von Beizen ausprobiert. Ein-Tages-Beize in einem Topf, Drei-Tages-Beize, Beizen mit Tannin, Soda und Alaun, Beizen mit Karin Teglers Kaltbeize, nur Alaun, Essigsaure Tonerdebeize, was auch immer so an Beizen rumschwirrt und brauchbar ist. Ich habe sogar vergleichende Beiz- und Färbeversuche angestellt. Ein Stück Stoff in Tannin-Soda-Alaun (in einem Topf) gebeizt, ein anderes mit nur Alaun und ein Drittes mit Tannin-Alaun-Soda in einer Dreitagesbeize. Letztendlich ergaben sich keine Unterschiede. Je nach Tanninquelle sind die Stoffe mal etwas mehr oder weniger beige schon aus der Beize gekommen. Am Besten war dahingehend Tarapulver, denn das läßt sich nahezu rückstandsfrei auswaschen.

Kurz, ich habe alles mögliche ausprobiert. Und weil in letzter Zeit immer mehr Leute auf den Geschmack mit Pflanzengefärbten Bast- und Zellulosefasern kommen, dachte ich mir, ich gebe meine Erfahrungen in diesem Bereich mal weiter.
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Hibiskusblüten in Eisfärbung auf Baumwolle
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Meine Erfahrungen mit dem Beizen von Bast- und Zellulosefasern lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Die Art der Beize ist nicht entscheidend. Wichtig ist eine gründliche Reinigung vor dem Beizen/Färben. Dabei sollte man sich nicht auf einen Waschgang in der Waschmaschine verlassen. Baumwolle und Leinen enthält von Natur aus Harze und Öle, die eine Aufnahme der Beize und auch der Farben verhindern. Werden diese Stoffe nun in einer Dreistufenbeize erst in Soda ausgekocht, dann in Tannin ausgekocht und schließlich noch in heißes Alaun gelegt, so ergibt sich eine Reinigung durch den Beizvorgang. Was meines Erachtens überflüssig ist.
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Baumwollstoffe, alle mit Karin Teglers Kaltbeize wie beschrieben gebeizt und mit Krapp, Blauholz, Indigo, Rhamnus, Sorghum, Myrobalan, Chlorophyll und Katechu gefärbt.
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Am Besten ist es vor dem Beizen bislang ungebrauchte Stoffe in ausreichend Wasser in einen großen Topf zu geben und mit 3 - 4 gehäuften Esslöffel Soda und ein paar Seifenflocken (oder etwas Spülmittel) AUSZUKOCHEN! Damit ist wirklich zum Siedepunkt erhitzen und eine Stunde auf dieser Temperatur halten gemeint. Keine Angst, den Stoffen passiert nichts. Danach läßt man die Seifenbrühe abkühlen bis sie handwarm ist und man gießt ab oder holt den Stoff raus. Sollte das Wasser extrem verschmutzt sein, wiederholt man den Vorgang. Nun kann der Stoff in aller Ruhe in die Waschmaschine um von der Lauge befreit zu werden.

Danach ist er bereit zum Beizen. Nach den ganzen Experimenten, die ich gemacht habe, reicht eine Standard Kaltbeize von Karin Tegler, die man allerdings auf 50 - 60 Grad für eine Stunde erhitzt und dann läßt man den Stoff darin über Nacht liegen. Oder man nimmt 10% Alaun (auf das Trockengewicht des Stoffes). Das Alaun muss in sehr heißem Wasser aufgelöst werden. Alaun hat eine ganz schlechte Kaltlöslichkeit. In den Beiztopf geben, gut verrühren, damit es sich gut verteilt und den nassen Stoff reinlegen, damit die Aufnahme des Alaun gewährleistet wird. Mit diesem Alaun wird der Stoff in der Beize nun etwa eine Stunde auf bis zu 90 Grad erhitzt und dann im Topf erkalten lassen.

Man kann auch Karins Kaltbeize kalt ansetzen und den nassen Stoff darin einlegen, dann muss er aber mindestens 2 Tage in der Beize liegen bleiben.

Eine weitere Möglichkeit der Beize ist eine einfache Tanninbeize. Dieses Tannin kann aus verschiedenen Pflanzen stammen, allerdings wird es immer auch eine Grundfärbung ergeben. Das Katechu (beige), Myrobalan (wird einen Gelbstich hinterlassen), Eichenrinde (beige bis dunkelbraun), Eicheln (beige bis dunkelbraun), Walnussblättern (gelb bis beigebraun), Tara (nahezu neutral) stammen. Oder man nimmt Oxalsäure aus Rhabarberblättern, Sauerampfer, Wiesenampfer oder anderen Sauerpflanzen. Diese werden alle einen Gelbstich hinterlassen.

Je neuer der Stoff, desto mehr petrochemische Nebenstoffe befinden sich noch in der Baumwolle. kommerzielle Baumwollstoffe werden mit diversen petrochemischen Ölen und anderen Chemikalien bis hin zu Formaldehyd konditioniert um sie leichter spinnbar, webbar und auch für den Verbraucher leichter waschbar zu machen. Leider dringen diese Stoffe nicht nur im Laufe der Zeit in unseren Körper ein, sie werden nach und nach mit der Wäsche auch ausgewaschen und gelangen so in unseren Trinkwasservorrat und für uns Färberinnen, sie verhindern effektiv eine Aufnahme der Farben. Daher ist eine gründliche Reinigung absolut notwendig.
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 Teil eines Quilt aus pflanzengefärbter Baumwolle und Leinen. Gebeizt mit Alaun (10%) und Kaltbeize, gefärbt mit Krapp, Sandelholz, Blauholz, Indigo, Goldrute und Goldrute + Indigo
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Krapp auf alter Baumwolle, gebeizt mit Kaltbeize

Handspindel 28.09.2011, 11.47 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Farbproben


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ich hab dann mal gefärbt.
Das sind alles Farbproben aus den Farbextrakten. Eine nähere Beschreibung mit ansprechenderen Bildern könnt ihr in meinem andern Blog finden ;o)

Ganz rechts ist übrigens eine Weste, nur für mich, aus gefilztem Wolletamin mit einer kleinen Spitzenbordüre unten und mit Rhamnus gelb und schließlich mit Indigo blau bzw grün gefärbt. Die kriegt ihr die Tage (hoffentlich) hier näher zu sehen. Denn wie gesagt, die ist nur für mich ;o)

Und ganz links ein Oberteil. Auch das ist noch nicht ganz fertig, landete aber schon einmal im Farbtopf. Mal sehen, was aus dem noch wird.

Handspindel 26.09.2011, 18.10 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Shop eröffnet

Im Juli probierte ich ja die Pflanzenfarbextrakte von Couleurs de Plantes aus. Und ich bin nachwievor von ihnen begeistert. Daher habe ich mich vor ein paar Wochen relativ spontan dazu entschlossen die Farbextrakte nach Deutschland zu importieren und hier zu verkaufen.


Es gibt die Extrakte nun als einzelne Farben und als Färbekits mit jeweils 5 Farben und vorgebeiztem Garn auf meinem neuen Blog:


nemo ignorat


zu kaufen.


Eine Preisliste könnt ihr hier finden: nemo-ignorat/preisliste


Desweiteren werde ich im Laufe der Woche noch anfangen selbstgenähte Accessoires (in der Regel aus alten und häufig pflanzengefärbten Stoffen) auch auf nemo ignorat anzubieten.

 

Handspindel 19.09.2011, 08.56 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Tagetes und Coreopsis


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zwei Unter-/Nachthemden aus den 1930ern. Mit Kaltbeize gebeizt, oben rum etwas mit einem Keil erweitert (offensichtlich hatten die Damen damals ein bisschen weniger Oberweite als ich *g*), bei einem unten ein paar Häkelspitzen eines Tischdeckchens angenäht und mit den Blüten von Coreopsis und Tagetes "bedruckt". India Flint läßt grüßen.
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two vintage nightshirts from the 1930s. Mordanted in cold mordant, inserted a godet at the sides. I seem to have more bust than the women back then. One got some decorative corchte lace from an vintage doily. Ice/bundle print a la India Flint with coreopsis and tagetes flowers.

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Handspindel 26.08.2011, 07.54 | (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Nochmal Bunt mit Pülverchen 2

Gestern gab es noch einmal eine Färbesession, während der ich verschiedene Färbemethoden ausprobierte. Also gedämpft in Plastikfolie (meine am wenigsten geliebte Methode, weil ich der Meinung bin, man bringt damit die ganzen Additive des Kunststoff in sein Sockengarn, was man dann auf der Haut trägt *iiihh*), Sockengarn in einen Topf gelegt und den im Wasserbad eines größeren Topfes erhitzt und schließlich liegen nun noch 3 Stränge in diversen Gefäßen in einer Kaltfärbung. Die kann ich natürlich noch nicht zeigen ;o)
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Ich habe diesmal die Farben deutlich niedriger dosiert (etwas weniger als 1 g Pulve auf 500 ml) und versucht die Farben im Strang getrennt zu halten, damit man sie besser erkennen kann. Die Lichtverhältnisse sind heute natürlich wieder nicht brilliant, so dass die Farben heute etwas blasser erscheinen als sie sind.

Hier erkennt man die echten Farben eines Stranges besser:
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Und hier ein Strang im Vergleich zu dem schon angestrickten der letzten Färbung:
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Bei meiner ersten Färbung habe ich die Farbpulver noch zu hoch dosiert gehabt. Das erkannte ich als a) das Grün versuchte quasi alles zu überdecken und b) weil ich noch für meinen Geschmack unglaublich viel auswaschen musste. Und am obigen vorwiegend grünen Strang, den ich da schon einmal angestrickt habe, merke ich auch, dass sich das grün noch immer etwas abreibt beim Stricken. Nicht viel, aber der feine Streifen am Zeigefinger ist da. Da bin ich mal gespannt, wie es nach dem ersten Waschen des Socken aussehen wird.
Den vorwiegend lila Strang habe ich dann vorgestern angeschlagen und bei dem reibt keine Farbe ab.
Ich merkte aber auch gestern beim Anrühren der Farben, dass das Chlorophyllgrün sehr ergiebig ist. Während ich bei den anderen Farben mit diesem knappen 1 g auf 500 ml Wasser gut hingekommen bin, musste ich das Grün noch einmal verdünnen. Bei ihm dürfte die Hälfte auch reichen.
Bei den gestrigen Strängen wusch sich kaum noch Farbe aus. Wie sie sich beim Stricken verhalten werde ich dann so nach und nach sehen. Es wird ein Winter der bunten Socken werden ;o)
Bislang muss ich sagen, bin ich mit den Farben und den Ergebnissen sehr zufrieden. Sie sind mir schon fast zu bunt, aber da muss ich wohl noch ein bisschen mehr mischen.
Die letzte Woche gefärbten Stoffe würde ich auch gern zeigen, aber ich kriege die Farben nicht einigermaßen echt aufs Foto. Meine Kamera, so zufrieden ich auch sonst mit ihr bin, gleicht dunklere Farben gerne mal aus und macht sie heller. Da muss ich mir noch was überlegen und vielleicht doch mal die 300 Seiten starke Anleitung lesen *stöhn*
Und morgen gibt es dann eine Rezension des neuesten Buches von India Flint: second skin.

Handspindel 03.08.2011, 08.41 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Naturbunt mit Pülverchen


Die Farben sind in Wirklichkeit etwas kräftiger und dunkler, aber bei der Beleuchtung draußen geht's im Moment nicht besser.
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Synthetische Farben enthalten Schwermetalle. Es gibt zwar auch die schwermetallfreien Farben, aber die haben immer noch das Problem petrochemischen Ursprungs zu sein. Sprich, wir färben dann immer noch mit Erdölprodukten und es wird keine Ewigkeit mehr dauern, bis die fossilen Reserven dieses Planeten nicht mehr vorhanden sind. (Bzw wir die Wahl haben werden, ob wir zugunsten eines bisschen Ölsand ganze Landstriche verwüsten wollen.)
Mit dem herkömmlichen Naturfärben bekam ich diese wolkig schön bunten Sockenwollen nicht hin, so wie ich sie mag. (OK, eigentlich liebe ich Ringel, aber die changierend bunten SoWos sind das nächstbeste und damit meine ich nicht die wildernden, mit den starken Kontrasten.) Auf dem ISEND 2011 sah ich dann die Pflanzenfarbenextrakte. Das sind Pülverchen, wie die synthetischen Säurefarben, die man letztendlich auch so anwendet. Nur muss man die Wolle vorher eben beizen.
Gebeizt wurde die Sockenwolle (Seide/Ramie/Wolle) von S&S mit 8% Alaun. Schlichte Beize ohne Aufwand. Und dann habe ich die Sockenwolle eine Stunde in warmen Wasser eingeweicht (es war schon ein paar Tage her, dass sie aus der Beize gekommen war), in einen flachen Topf gelegt und mit den in Wasser gelösten Farbpülverchen begossen. Etwas einziehen lassen und schließlich mit Wasser aufgefüllt, damit nichts anbrennt beim Aufkochen lassen. Auf den Herd, Deckel drauf und ab Moment des Blubberns eine Viertelstunde köcheln lassen. Danach kam der schwierigste Teil: Zur Sicherheit habe ich die Sockenwolle noch über Nacht in dem Topf auskühlen lassen. Nicht nachsehen, rumstochern und rausholen, war die größte Herausforderung. Am nächsten Tag, nach etwa 18 Std, wurde das Garn gründlich ausgewaschen.
Das Wasser im Topf war weitgehend klar, aber es hat sich noch einiges ausgewaschen. Was wahrscheinlich daran liegt, dass ich die Dosierung noch nicht so recht draufhabe. Ich muss weiter experimentieren.
Die verwendeten Farben waren: Blauholz, Krapp, Persian Berry (Beeren des Rhamnus saxatilis, auch Avignonbeere genannt), Chlorophyll und Catechu.
Der eine Strang ist ein bisschen arg lila geworden, aber da ging das Blauholz mit mir durch.
Bislang bin ich von Anwendung und Ergebnis begeistert. Ich denke, man kann auch deutlich vorsichtiger mit den Farben färben, dann wird alles nicht so dunkel, wobei ich mich darüber nicht gerade beklage. Nun muss erst einmal ein Strang verstrickt werden (als ob ich sonst nichts zu tun hätte *g*) und auf Langlebigkeit getestet werden und wie sich die Farbe in der WaMa verhält. Wobei ein Tuch aus Etamine de Laine, welches ich versuchsweise in einer Kaltfärbung auch mit den Farben gefärbt habe, hat den Gang durch die WaMa ohne Probleme überstanden. Auf 30 Grad mit Feinwaschmittel, weil ich grad nichts schonenderes zur Hand hatte.
Ich werde weiterberichten.
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Quelle der Naturfarbenextrakte: Coleurs des plantes über The Mulberry Dyer (haben im Augenblick etwas technische Probleme mit ihrem online shop, aussuchen und Email an Deb ist besser) und Renaissance Dyeing. Maiwa verwendet übrigens die Farben von Coleurs des plantes und da Maiwa in Kanada und CdP in Frankreich sitzen, lohnt es sich nicht die Farben über Maiwa zu ordern.

Handspindel 25.07.2011, 05.35 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Eichenrinde / oak bark

Damit ihr nicht meint, ich würde nur noch nähen:
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dies ist Eichenrinde auf Wolle. Dazu habe ich die äußere Rinde einer im Sturm umgefallenen Eiche gesammelt, im Häcksler zerkleinert, einige Tage die Stücke eingeweicht, dann aufgekocht, die Rindenstücke rausgeholt und später schließlich die ungebeizte Wolle und ein paar Stoffstücke in den Sud gegeben und noch einmal aufgekocht. Ein paar Stunden auf dem Holzfeuer heiß gehalten und über Nacht stehengelassen.
Ich mag das Braun und die Wolle fühlt sich nicht rau an wie manchmal bei Walnussfärbung.
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Oak bark on unmordanted wool yarns. A fallen oak donated the bark. I shreddered the outer bark in a house hold shredder, let the pieces soak for a few days, boiled them and let them cool down again. Finally, I removed the bark pieces and simmered the wool and some cotton fabrics on a wood stove for half a day. I like the brown and the wool doesn't feel harsh.
The next photo is a piece of cotton fabric. On the right, you can see the brownish colour from the oak bark and on the left it's greyish from being dipped in home made ferrous sulfate.
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ein Baumwolldamaststoffstück (ich liebe deutsche Kompositabildung *g*). Rechts kann man das Braun der EIchenrindenfärbung erkennen, links ist es silbergrau durch einen kurzen Dip in hausgemachtes Eisensulfat.
Ich habe bislang noch nie mit Eisensulfat experimentiert (nur Rostfärbung und davon war ich nun überhaupt nicht begeistert), aber auf Baumwolle sagt mir das grau sehr zu. Ich habe noch ein weiteres Baumstoffstück, das in Tee braungefärbt wurde und dann in derselben Eisensulfatlösung grau gemacht wurde. Ich wollte auch beide nebeneinander fotografieren, aber ich kriege die Kontraste nicht auf das Bild. Vielleicht mit ein bisschen mehr Rumspielen.

Handspindel 15.07.2011, 07.28 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Fructose Küpe nach Michel Garcia/ fructose vat acc to Michel Garcia

Diese Küpe geistert nun schon seit etwas über einem Jahr durch die Färberblogs. Bis ISEND 2011 hatten wir alle nur indirekt davon gehört und wusste nicht so recht wie es funktionieren soll. In einer Demonstration führte Michel Garcia die Küpe vor und ich muss gestehen, alles sah unglaublich einfach aus. Doch leider haben Experimente bislang keine wirklich guten Erfolge gezeigt.
An sich ist die Küpe recht einfach. Es ist eine Reduktionsküpe, die mit gelöschten Kalk (von dem ich schon sprach) als Alkaligeber und Fructose als Reduktionsagent funktioniert. Im Verhältnis 1 Teil Inidgo, 2 Teile Löschkalk, 3 Teile Fructose wird alles in 80 Grad warmes Wasser gerührt und dann hofft man, dass es reduziert. (Wen es näher interessiert wie eine Inidgoküpe überhaupt funktioniert muss sich ein bisschen gedulden, ich stell da grad was zusammen). Jedenfalls sollte es von der chemischen Theorie dahinter hinhauen. Herausgekommen ist das:
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Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut, finde ich. Das war im Übrigen nach 3 Zügen. Da hatte ich schon Besseres. Auf Wolle, (allerdings nur 2 Züge) sieht es so aus:
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Auch hier hatte ich schon bessere Ergebnisse.

Es ist also nicht so, dass die Küpe nicht funktioniert. Das Indigo reduziert aber nicht gut genug. Was an zwei Dingen liegen kann:

- entweder war die Küpe nicht warm genug. Meine lag bei um die 60 Grad beim letztendlichen Färben (pH-Wert war übrigens freundliche 10, deswegen mach ich mir keine Gedanken) Helen hat mit 80 Grad ähnliche Ergebnisse erzielt. Leena bei um die 80 Grad in einem sehr kleinen Gefäß, aber nicht mehr in einem großen. Das bedarf noch weiterer Versuche.

- oder die Fructose reicht als Reduktionsagent dann doch nicht. Bin ich mir nicht so sicher. Die Gegenprobe mit Natriumdithionit war in derselben Küpe nun auch nicht wirklich ergiebiger. Eigenartig.

weitere Informationen (in Englisch) über die unterschiedlichen Küpenexperimente bei
Helen Melvin
Leena
Jane

Ich hab jedenfalls erst einmal Pause gemacht und widme mich gerade mal kleineren Färbeexperimenten (mit den Blüten des Wiesenampfer zB (bislang eher mäßig) und dem Nähen. Denn schließlich muss/will ich mit meinen ganzen gefärbten Stoffen ja auch mal was anfangen.
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only some short words in English. Go to Helen, Leena or Jane for more experiments and informations.
I experimented with Michel Garcia's fructose reduction vat, with only average success. As you can see on the pictures, cotton after the third dip still looks somewhat pale and wool with two dips is not really blue, more blueish.

The temperature was at about 60 deg C and the pH at about 10.

Either I need to use a still higher temperature or something with the vat in itself is not correct. A control vat with sodium dithionite was not much more successful either. So, I'm still experimenting. But right now, I needed a break from frustrating vats and I focused more on sewing. See next post.

Handspindel 17.06.2011, 09.34 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

ISEND 2011 Teil 3

 

Auf dem ISEND 2011 waren FärberInnen aus verschiedenen Bereichen vertreten. Ja, es gab auch den einen oder die andere NaturwissenschaftlerIn, der keine praktische Ahnung vom Färben hatte, aber dafür dann ganz spannende Verfahren entwickelte um historische Farbstoffe zu identifizieren (zB Dr Zvi Koren aus Israel). Oder auch der Biologe Dr Roman Joshenko, der sich sehr um den Arterhalt der eurasischen Karmischildlaus kümmert und etliche neue Arten identifiziert hat (man erinnere sich, Cochenille, dieser wunderschöne Rotfarbstoff stammt auch von einer Schildlaus, allerdings stammt Karmin von einer anderen Schildlausart). Aber die meisten waren entweder Chemiker, die mit Naturfarben forschten oder es waren Artisan und ExperimentalfärberInnen. Und darin lag dann auch die Krux. Die meisten in Farben forschenden NaturwissenschaftlerInnen mussten jeder für sich das Rad neu erfinden. Jede von ihnen begann ihre Forschungen mit dem Erforschen (altbekannter) Beizmethoden. Jede kam an und „entwickelte“ die Standard Farbextraktion aufs Neue. Große Forschungsinstitute, bei denen Färbepflanzen im großen Stil angebaut werden, mussten erst mühsam lernen, dass sich Krapp zB am besten durch Wurzeln vermehrt und nicht durch Samen. Dinge, die Artisanfärberinnen wie Helen Melvin schon lange in ihren eigenen Färbegärten erkannt haben.

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Spindeln von John Stoker Mulberry Dyer
mit von Debbie Bamford (der Färberin der beiden) gefärbter Seide

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Das eigentliche Problem hierbei ist mangelnde Kommunikation (auch unterhalb der Forschungsinstitute) und eine gewisse Arroganz der ForscherInnen den KünstlerInnen und HandwerkerInnen gegenüber. Es gab nur wenige naturwissenschaftliche Projekte, bei denen man sich tradierte Färbemethoden ansah und diese dann chemisch analysierte um herauszufinden, warum die Färbungen so funktionieren. Das ist meines Erachtens ein extrem bedauerlicher Fehler. Es gibt viele unterschiedliche Färbemethoden (unsere hierzulande übliche Heißextraktion ist nur eine von vielen). Was wirklich interessant wäre, wäre eine chemische Erforschung dieser unterschiedlichen Methoden um zu sehen warum die genau funktionieren. Welche chemischen Abläufe sind für die Färbungen verantwortlich und welche sind tradierte Mystik, die keine Funktion erfüllt. Wer Bohei, Voodoo und Esoterik bei seinen Färbungen haben will, kann das ja immer noch machen. Aber vielleicht ist das morgendliche Gebet an der Küpe nicht wirklich notwendig für deren Gelingen. Und möglicherweise übt die Menstruation keinen schlechten (oder auch positiven, es gibt beides) Einfluss auf eine Färbung aus. Das sind nur die offensichtlichsten Fälle von Mystik beim Färben. Aber wie ist das mit dem häufigen Gebrauch von Weinstein. Ist der immer notwendig und wenn ja, welche Funktion erfüllt er? Diesen Fragen sollten sich Chemiker endlich einmal widmen. (Es gibt übrigens schon ein Buch, was sich damit befasst hat: The Science of Teaching with Natural Dyes. Jeanne M. Buccigross. 2006. ISBN 1-4196-4104-2. Ich hab's noch nicht solange, ich werde darüber berichten. Und auch an der Leopold-Franzen Universität und dem angeschlossenen Colours of Nature wird daran geforscht. Siehe Handbook of Natural Colorants. Thomas Bechtold, Rita Mussak (Eds). 2009. ISBN 978-0-470-51199-2)

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Seidenschal aus Madgascar. Handgesponnen, handgewebt und mit irgendeiner Alge gefärbt (den Namen habe ich mir leider nicht gemerkt)

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Entsprechend war auch stellenweise die Diskussion zwischen Podium und Auditorium gestaltet. Die große Indigodiskussion am Dienstag bestand daher leider nur darin, dass einige bekannte Vertreter auf diesem Feld (als Vorsitzende hatte man natürlich Jenny Balfour-Paul ausgewählt) sich auf der Bühne zusammensetzten, sich gegenseitig beglückwünschten zu ihren bisherigen Erfolgen und dann über ihre eigenen Bereiche sprachen. Eine Diskussion im eigentlichen Sinne und schon gar mit dem Publikum kam nicht zustande. Sicherlich waren interessante Beiträge dabei, aber das Publikum wurde trotzdem enttäuscht mit vielen offenen Fragen zurückgelassen.

 

Darin war dieser Runde Tisch ein recht gutes Beispiel für die Gesamtsituation auf dem ISEND 2011. Ich denke durchaus, dass es wichtig ist auf eine adäquate Zertifizierung und einen Standard für Naturfarben hinzuarbeiten. Anders ist eine industrielle Vermarktung der damit gefärbten Textilien nicht machbar. Den KundInnen müssen Hinweise und Handreichungen gegeben werden, an denen sie sich orientieren können. Dafür gibt es zuviele Unterschiede unter den Farbqualitäten, deren Lich- und Waschbeständigkeit und Reibechtheit um nur einen Faktor zu nennen. Der halbe Freitag befasste sich nur mit diesem Thema. Doch was dabei völlig aus dem Auge gelassen wurde, waren die ArtisanfärberInnen, die in ihren kleinen Werkstätten teilweise die Voraussetzungen für eine Zertifizierung nie schaffen können, obwohl sie letztendlich nach den Richtlinien arbeiten. IMO und GOTS Zertifizierungen sind so mit das Beste, was ein Textilbetrieb bekommen kann. Nur sind diese Richtlinien eindeutig auf industrielle und nicht auf handwerkliche Färbeanlagen ausgerichtet. Die Vertreterin des IMO Institut wurde dann auch entsprechend von den Textilschaffenden gegrillt. Sie konnte einem stellenweise richtig leid tun. Aber sie hörte sich die Belange der HandwerkerInnen an und nahm sie ernst. Ich denke wirklich, in diesem Bereich kann sich etwas ändern. Doch wie immer gilt auch hier: Kommunikation untereinander ist alles. Es bringt nichts, wenn wir alle in unseren eigenen Töpfen rühren und nicht untereinander auch Kontakte halten und miteinander diskutieren und uns austauschen.

 

Dies nun als Abschluss meiner kleinen Reihe über das ISEND 2011.

 

Ich war überglücklich, dass ich die Gelegenheit bekam auf das Symposium zu gehen und ich habe viel gelernt. Auch sind mir etliche Dinge klar geworden, wie es mit meinem weiteren Schaffen weitergehen soll. Leider wandert die Veranstaltung und so wird das nächste ISEND dann wieder in Südostasien stattfinden, wahrscheinlich in Malaysia. Dies ist finanziell und zeitlich für mich nicht machbar. Mal abgesehen davon, dass ich bislang noch nie geflogen bin und es auch nicht ohne triftigen Grund vorhabe zu tun. Dieser triftige Grund wird diese eine lange Reise mit meinem Mann sein, auf die wir hinarbeiten ;o) aber nicht ein Besuch auf einem Symposium.

Letztendlich bleibt noch einiges in dem Bereich der Naturfarben zu tun. Ein Vorschlag im Schlussgespräch war indigene Naturfärber durch die UNICEF (einer der Veranstalter des Symposium) zum Weltkulturerbe zu erklären. Die Idee hat mir gefallen. Denn wenn Weltkulturerbe in Gefahr geraten, sei es durch Kriege, Hungersnöte oder auch Klimakatastrophen, MUSS die UNICEF einschreiten und die Weltkulturerbe retten. Angesichts unserer Zukunft mit immer weiter schwindenden Reserven fossiler Brennstoffe, Klimaveränderungen bis hin zu Klimakatastrophen, werden wir in nicht allzuferner Zukunft auf das Wissen was wir uns heute wieder mühselig erarbeiten, angewiesen sein. Dies gilt es zu erhalten.

 

Handspindel 10.06.2011, 11.03 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

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