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Ausgewählter Beitrag
Tineola bisselliella
Hinter diesem niedlichen Namen verbirgt sich ein echter Schmetterling (Nachtfalter) und ein Mitglied der Familie der Echten Motten. Das Grauen einer jeder Faserverrückten, der Nachtmahr, meine persönliche Nemesis: die Kleidermotte.
Ich hatte schon vor zwei Jahren einen sehr heftigen Befall, dem ich entschlossen und zögerlich zugleich zuleibe rückte. Entschlossen, weil ich alles durchsuchte, ich kochte meine Fasern und Garne aus, ich verteilte Zedernhölzchen in der Menge einer ganzen Libanonzeder im Raum, ich kontrollierte und klopfte, ich passte auf und ich träufelte immer Zedernholzöl nach. Und zögerlich, weil ich nicht bereit war, einfach alles wegzuwerfen, das auch nur annähernd nach Befall ausgesehen haben könnte.
Die Rechnung bekam ich dann letztes Jahr: ich hatte wieder Motten und ich entdeckte auch nach einigem Suchen verschiedene Quellen:
- ein Beutel ungewaschenen Mohairs, das beim letzten Waschdurchgang vergessen worden war und
- einige Wollteppiche und -brücken meiner Eltern im Keller, die sie mangels Platz einfach so eingerollt liegen gelassen haben, sehr zur Freude dieses an sich sehr hübschen kleinen Schmetterlings.
Und beim Durchsehen meiner Vorräte kamen dann immer wieder einzelne Motten zum Vorschein, die aufgestellte Pheromonfalls gab mir recht: ich hatte wieder eine Motteninvasion.
Diesmal machte ich es anders. Erst einmal legte ich alle Zedernholzöle und anderen niedlichen ätherischen Dingens beiseite und begab mich in den Bereich chemischer Kriegsführung. Damit wurden meine Wollen und Garne über Wochen immer und immer wieder eingesprüht. Und vor zwei Tagen nun, machte ich mich an das rigorose Ausräumen.
15 große blaue Säcke und drei große Pappkartons mit gewaschenem aber unkardiertem Pommernschaf, Coburger Fuchs und Suffolk wanderten auf den Restmüll. Neuerwerbungen der letzten Wochen waren ohnehin sofort in meiner Wohnung geblieben und sind somit vor Motten einigermaßen sicher gewesen. (Außerdem lege ich nun in jede Box Mottenpapier, ich hab die Faxen dicke)
Und ich habe ein paar Dinge gelernt:
- Wenn man nicht gleich alles ohne Skrupel und Rücksicht auf Verluste beseitigt, das befallen ist, ist eine erneute Invasion nicht zu vermeiden.
- Es geht nicht ohne Mottengift. Das gibt es inzwischen in säugetierfreundlichen Varianten, aber ohne das ist es nicht machbar.
- Dunkle Wollen und Garne werden schneller und heftiger befallen als helle.
- Ungewaschenes Alpaka und ungewaschenes Mohair sind die größten Leckerbissen (wenn nicht gerade Angora da ist) und werden vor allen anderen Sorten vernichtet.
- Gefolgt von Merino (das auch in schneeweiß) und Hundewolle (Samojede)
- Selbst einigermaßen dicht schließende Kisten sind besser als offene. Besonders wenn man deren Inhalt regelmäßig mit Mottengift besprüht.
- Allerdings dürfen es keine Pappkartons sein, die alles dunkel und dicht einpacken.
- Die offenen Ikeanetze nutzen nur etwas, wenn man sie auch wirklich ununterbrochen anstupst und befühlt und bewegt. Ansonsten sind sie eine offene Einladung an alles, was sich friedlich von unten nach oben fressen möchte.
- Zedernholz nutzt absolut nichts als Abschreckung gegen Motten. Auch nicht, wenn man es regelmäßig mit ätherischen Ölen beträufelt. Selbst unter den Zedernholzblöcken haben es sich die Motten gemütlich gemacht.
- Lavendel scheint zu helfen, allerdings nur in riesigen Mengen und innerhalb verschlossener Behälter.
- Von irgendwoher hatte ich mal so Säckchen mit diversen pflanzlichen
Teilen, die zur Abschreckung dienen sollten, die könnten in den offenen Netzen geholfen haben, denn ich hatte dort mottenfreie Zonen.
- Motten befallen auch Kunststoffe, wenn ihnen mal nichts anderes bleibt, denn ich habe eine verschlossene Metalldose mit Gummibändern und Reißverschlüssen einfach so nach einem kurzen Blick hinein weggeworfen. Das wollte ich nicht saubermachen.
- Mäuse helfen nicht gegen Motten.Dafür fressen sich Mäuse durch Leinengarne auf Konen.
Apropos Mäuse: gegen die werde ich dann als nächstes vorgehen. Aus Erfahrung der letzten Wochen weiß ich nun, dass man mit Speck keine Mäuse fängt. Ich werde es einmal mit Schoki versuchen.
Ich wünsche euch einen motten- und mäusefreien stash.
Handspindel 20.02.2009, 09.26
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Kommentare zu diesem Beitrag
Ich benutze seit 2 Jahren Mottenpapier, denn ich befürchte sonst trotz Aussortierung das Problem nicht vollständig beseitigen zu können. Zum Schluss hatte ich eher den Eindruck, die Motten fliegen dahin wo es nach Lavendel riecht, weil es dort Wolle gibt. Manchmal bin ich auch überrascht dass Motten in irgend einer Ecke liegen, obwohl sie genausogut 5cm weiter gemütlicher in Wolle hätten liegen können.
vom 20.02.2009, 12.39
Ich muss gestehen, ich fühle mich mit den ganzen "chemischen" Sachen (Mottenpapier, Pyrethroiden etc) auch deutlich wohler. Ich hoffe, dass es sich nun in überschaubaren Grenzen halten wird *hoffon*
Hallo,
ein befreundeter Kammerjäger hat mir Marzipan als Mäusemahlzeit empfohlen. Es wirkt super - Lebendfalle, Marzipan rein und dann die Maus irgendwo wieder aussetzen :-).
Lieber Gruß
Bine
vom 20.02.2009, 10.07
Marzipan? hmmmmm, eigentlich ess ich das lieber selbst, aber wenn es Mäusen auch so gut schmeckt ... ;o) Danke für den Tipp
Gegen Mäuse hilft am allerbesten eine Katze, allerdings müsste es angesichts der beiden Hunde links wohl eine rauflustige und willensstarke sein.
Wenn das nur mit den Motten so einfach wäre, gell? Mitfühlende Grüße von Katrin
vom 20.02.2009, 09.48
Öhem, ich glaube nicht, dass eine Katze hier eine gute Idee wäre. Mein letzter Hund (Vorgängerin des Dicken) hatte einen besten Freund und das war unser Kater, der seinerseits ein ausgezeichneter Mäusejäger war (und daneben auch noch unser Grundstück auf dem Land absolut hunde- und hühnerfrei hielt). Aber die Freundschaft zwischen den beiden war auch was Besonderes und sie sind beide sehr alt geworden (meine Hündin starb dann mit 16 Jahren und den Kater mussten wir ein paar Jahre später einschläfern lassen, weil er mit seinen 18 Jahren Speiseröhrenkrebs bekommen hatte).
Meine beiden Süßen ... nun, sie sind ausgemachte Katzenjäger. Sie haben nie schlechte Erfahrungen mit Katzen gemacht, sie sind nicht einmal in die Nähe einer Katze gekommen und doch drehen sie fast durch, wenn ein paar Meter vor uns eine Katze läuft oder wenn die verliebten Kater Nachts mal wieder das Singen anfangen. Denen könnte ich wirklich nur einen ausgewachsenen Kampfkater dazusetzen und ich bin mir nicht so sicher, ob ich das mitmachen möchte ;O) Mal abgesehen davon, dass ich nicht weiß, ob meine Wohnung das überleben würde *bg*
If you can't explain it simple, you don't understand it well enough - Albert Einstein
If a thing's worth doing, it's worth doing it well.
Do what you can, with what you have, wherever you are. - Theodore Roosevelt
meine flickr Bilder
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Ich bin grad aus einem uralten Haus nordamerikanischer Holzbauweise ausgezogen und ich kann bestaetigen, dass Schoki ein guter Versuch ist
Viel Glueck bei Stashbeschuetzen!
Anne
vom 20.02.2009, 16.16