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ISEND 2011 Teil 3

 

Auf dem ISEND 2011 waren FärberInnen aus verschiedenen Bereichen vertreten. Ja, es gab auch den einen oder die andere NaturwissenschaftlerIn, der keine praktische Ahnung vom Färben hatte, aber dafür dann ganz spannende Verfahren entwickelte um historische Farbstoffe zu identifizieren (zB Dr Zvi Koren aus Israel). Oder auch der Biologe Dr Roman Joshenko, der sich sehr um den Arterhalt der eurasischen Karmischildlaus kümmert und etliche neue Arten identifiziert hat (man erinnere sich, Cochenille, dieser wunderschöne Rotfarbstoff stammt auch von einer Schildlaus, allerdings stammt Karmin von einer anderen Schildlausart). Aber die meisten waren entweder Chemiker, die mit Naturfarben forschten oder es waren Artisan und ExperimentalfärberInnen. Und darin lag dann auch die Krux. Die meisten in Farben forschenden NaturwissenschaftlerInnen mussten jeder für sich das Rad neu erfinden. Jede von ihnen begann ihre Forschungen mit dem Erforschen (altbekannter) Beizmethoden. Jede kam an und „entwickelte“ die Standard Farbextraktion aufs Neue. Große Forschungsinstitute, bei denen Färbepflanzen im großen Stil angebaut werden, mussten erst mühsam lernen, dass sich Krapp zB am besten durch Wurzeln vermehrt und nicht durch Samen. Dinge, die Artisanfärberinnen wie Helen Melvin schon lange in ihren eigenen Färbegärten erkannt haben.

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Spindeln von John Stoker Mulberry Dyer
mit von Debbie Bamford (der Färberin der beiden) gefärbter Seide

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Das eigentliche Problem hierbei ist mangelnde Kommunikation (auch unterhalb der Forschungsinstitute) und eine gewisse Arroganz der ForscherInnen den KünstlerInnen und HandwerkerInnen gegenüber. Es gab nur wenige naturwissenschaftliche Projekte, bei denen man sich tradierte Färbemethoden ansah und diese dann chemisch analysierte um herauszufinden, warum die Färbungen so funktionieren. Das ist meines Erachtens ein extrem bedauerlicher Fehler. Es gibt viele unterschiedliche Färbemethoden (unsere hierzulande übliche Heißextraktion ist nur eine von vielen). Was wirklich interessant wäre, wäre eine chemische Erforschung dieser unterschiedlichen Methoden um zu sehen warum die genau funktionieren. Welche chemischen Abläufe sind für die Färbungen verantwortlich und welche sind tradierte Mystik, die keine Funktion erfüllt. Wer Bohei, Voodoo und Esoterik bei seinen Färbungen haben will, kann das ja immer noch machen. Aber vielleicht ist das morgendliche Gebet an der Küpe nicht wirklich notwendig für deren Gelingen. Und möglicherweise übt die Menstruation keinen schlechten (oder auch positiven, es gibt beides) Einfluss auf eine Färbung aus. Das sind nur die offensichtlichsten Fälle von Mystik beim Färben. Aber wie ist das mit dem häufigen Gebrauch von Weinstein. Ist der immer notwendig und wenn ja, welche Funktion erfüllt er? Diesen Fragen sollten sich Chemiker endlich einmal widmen. (Es gibt übrigens schon ein Buch, was sich damit befasst hat: The Science of Teaching with Natural Dyes. Jeanne M. Buccigross. 2006. ISBN 1-4196-4104-2. Ich hab's noch nicht solange, ich werde darüber berichten. Und auch an der Leopold-Franzen Universität und dem angeschlossenen Colours of Nature wird daran geforscht. Siehe Handbook of Natural Colorants. Thomas Bechtold, Rita Mussak (Eds). 2009. ISBN 978-0-470-51199-2)

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Seidenschal aus Madgascar. Handgesponnen, handgewebt und mit irgendeiner Alge gefärbt (den Namen habe ich mir leider nicht gemerkt)

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Entsprechend war auch stellenweise die Diskussion zwischen Podium und Auditorium gestaltet. Die große Indigodiskussion am Dienstag bestand daher leider nur darin, dass einige bekannte Vertreter auf diesem Feld (als Vorsitzende hatte man natürlich Jenny Balfour-Paul ausgewählt) sich auf der Bühne zusammensetzten, sich gegenseitig beglückwünschten zu ihren bisherigen Erfolgen und dann über ihre eigenen Bereiche sprachen. Eine Diskussion im eigentlichen Sinne und schon gar mit dem Publikum kam nicht zustande. Sicherlich waren interessante Beiträge dabei, aber das Publikum wurde trotzdem enttäuscht mit vielen offenen Fragen zurückgelassen.

 

Darin war dieser Runde Tisch ein recht gutes Beispiel für die Gesamtsituation auf dem ISEND 2011. Ich denke durchaus, dass es wichtig ist auf eine adäquate Zertifizierung und einen Standard für Naturfarben hinzuarbeiten. Anders ist eine industrielle Vermarktung der damit gefärbten Textilien nicht machbar. Den KundInnen müssen Hinweise und Handreichungen gegeben werden, an denen sie sich orientieren können. Dafür gibt es zuviele Unterschiede unter den Farbqualitäten, deren Lich- und Waschbeständigkeit und Reibechtheit um nur einen Faktor zu nennen. Der halbe Freitag befasste sich nur mit diesem Thema. Doch was dabei völlig aus dem Auge gelassen wurde, waren die ArtisanfärberInnen, die in ihren kleinen Werkstätten teilweise die Voraussetzungen für eine Zertifizierung nie schaffen können, obwohl sie letztendlich nach den Richtlinien arbeiten. IMO und GOTS Zertifizierungen sind so mit das Beste, was ein Textilbetrieb bekommen kann. Nur sind diese Richtlinien eindeutig auf industrielle und nicht auf handwerkliche Färbeanlagen ausgerichtet. Die Vertreterin des IMO Institut wurde dann auch entsprechend von den Textilschaffenden gegrillt. Sie konnte einem stellenweise richtig leid tun. Aber sie hörte sich die Belange der HandwerkerInnen an und nahm sie ernst. Ich denke wirklich, in diesem Bereich kann sich etwas ändern. Doch wie immer gilt auch hier: Kommunikation untereinander ist alles. Es bringt nichts, wenn wir alle in unseren eigenen Töpfen rühren und nicht untereinander auch Kontakte halten und miteinander diskutieren und uns austauschen.

 

Dies nun als Abschluss meiner kleinen Reihe über das ISEND 2011.

 

Ich war überglücklich, dass ich die Gelegenheit bekam auf das Symposium zu gehen und ich habe viel gelernt. Auch sind mir etliche Dinge klar geworden, wie es mit meinem weiteren Schaffen weitergehen soll. Leider wandert die Veranstaltung und so wird das nächste ISEND dann wieder in Südostasien stattfinden, wahrscheinlich in Malaysia. Dies ist finanziell und zeitlich für mich nicht machbar. Mal abgesehen davon, dass ich bislang noch nie geflogen bin und es auch nicht ohne triftigen Grund vorhabe zu tun. Dieser triftige Grund wird diese eine lange Reise mit meinem Mann sein, auf die wir hinarbeiten ;o) aber nicht ein Besuch auf einem Symposium.

Letztendlich bleibt noch einiges in dem Bereich der Naturfarben zu tun. Ein Vorschlag im Schlussgespräch war indigene Naturfärber durch die UNICEF (einer der Veranstalter des Symposium) zum Weltkulturerbe zu erklären. Die Idee hat mir gefallen. Denn wenn Weltkulturerbe in Gefahr geraten, sei es durch Kriege, Hungersnöte oder auch Klimakatastrophen, MUSS die UNICEF einschreiten und die Weltkulturerbe retten. Angesichts unserer Zukunft mit immer weiter schwindenden Reserven fossiler Brennstoffe, Klimaveränderungen bis hin zu Klimakatastrophen, werden wir in nicht allzuferner Zukunft auf das Wissen was wir uns heute wieder mühselig erarbeiten, angewiesen sein. Dies gilt es zu erhalten.

 

Handspindel 10.06.2011, 11.03

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Bettina

wenn ich so deine und andere beschreibungen lese, frage ich mich, ob die veranstalter nicht viel zuviel in so wenig zeit gepackt haben? diskussionen, die keine richtigen sind, 10 minuten fuer vortraege, die da nicht reinpassen usw... es ist frustrierend, wenn soviel moeglichkeiten da waeren, die aber nicht wirklich ausgeschoepft werden koennen :( trotzdem vielen dank fuer deinen bericht - und viel glueck mit dem indigofaerben :)

vom 10.06.2011, 13.52
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