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Gardinen wie in den 70ern?

Im Rahmen meines Webkurses brauchte ich ein Vorzeigeobjekt für Leno (Dreherbindung .... welch ein Wort :oO). Jedenfalls suchte ich eine weitere Herausforderung und bäumte so also meine erste Leinenkette auf. Wirklich eine große Übungssache. So sehr ich Leinen mag, aber Leinen weben ist eine ganz eigene Kunst für sich. Ich sag euch, mit Wolle weben kann jeder, aber Leinen .... Jedenfalls kam eine nette kleine Gardine dabei raus, die mich doch schwer an die Handarbeitsbücher aus den 1970ern erinnert ;o)



Ich bin mit der Aufhängung noch nicht ganz zufrieden, aber wir bekommen demnächst (so in 2 Monaten oder so) wahrscheinlich neue Fenster (in neuen Größen) und da sowieso wird alles anders. Aber ich mag das Muster an sich.

Wobei ich mich ohnehin inzwischen wieder recht gern an den Mustern der 1970er orientiere. Ich bin ja in der Zeit groß geworden und nicht alles aus dieser Zeit haut mich vom Hocker. Schlaghosen zB kann ich nicht ab und die Frisuren müssen nun wieder auch nicht sein. Modisch bewusst und im Trend ins wallende Haar gebundene Herrenkrawatten zB sind nun auch nicht mein Ding und die Farben erwecken bei mir nur Schaudern. Ich denke immer noch mit leichtem Schrecken an einen Teppich im Zimmer meines Bruders zurück (in das ich dann irgendwann gezogen bin, inklusive Teppichübernahme), der aus Orange- und Brauntönen bestand, die in pantoneartigen Kreisen angeordnet waren. Yikes. Nein danke, das brauch ich nun wirklich nicht.

Was mir aber an den Handarbeitsbüchern aus den 70ern gefällt ist die Improvsationsfähigkeit und -willigkeit der Macher. Es gab ja auch noch nicht alle möglichen fertigen Bastelartikel (und -packungen) und Garne und Stoffe und was nicht noch alles, sondern man musste vielfach einfach improvisieren. Was mich am meisten beeindruckt ist dieser Mut zur Farbe. Zugegeben, in den späteren 70ern, als dann viel des Improvisationsgeistes kommerzialisiert wurde (so ähnlich wie in den 80ern irgendwann die Punkbewegung von der Industrie übernommen wurde und es en vogue war mit Stachelhalsbändern rumzulaufen), war es auch nicht mehr das Wahre. Aber irgendwann  zwischendrin und am Anfang wurde ja alles angemalt, was den Leuten zwischen die Finger kam. In grellen oder gedeckten Tönen, hauptsache bunt. Das was mir an den britischen Häusern und Wohnungen immer so gefallen hat (bis kühles, klares Weiß auch dort einzog *yikes*). Manchmal war es ja einfach nur Not. Die Dinge von der Stange waren einfach nur bäh und altbacken oder einfach nicht bezahlbar. Also musste man auf den Sperrmüll und die Flohmärkte gehen und dort nach den Dingen suchen, die einem gefielen. Mir geht es inzwischen ähnlich mit den Dingen, die man heute so von der Stange kaufen kann. Entweder ist die Qualität derart beschissen, dass ich das Teil gleich auch wegwerfen kann (dafür gebe ich nun wieder kein Geld aus) oder es ist von einer solch industriellen Einfallslosigkeit geprägt, dass mir schon beim Anschauen schlecht wird. Alternativ dazu gibt es natürlich die hochwertigen Einzelstücke, die dann auch wieder über meinem Geldbeutel liegen.

Also gehe ich immer mehr dazu über meine Dinge selbst herzustellen (oder wie im Fall der Küchenspüle herstellen zu lassen). Nur ein Beispiel aus dem Bereich Bekleidung: ich war demletzt auf der Suche nach einer neuen Jeans. Ich bin einfach noch nicht dazu gekommen mir selbst eine zu nähen (der Stoff liegt schon hier) und leider hat sich meine letzte tragbare früher als erwartet verabschiedet. Wirklich, da hilft auch kein Flicken zum hunderttausendsten Mal mehr. Also begab ich mich in der Stadt auf die Suche nach einer tragbaren Jeans, aber offensichtlich habe ich zu hohe Ansprüche. Einmal soll sie aus ganz normaler Baumwolle sein. Ich bin ja schon so kompromisbereit, dass ich keine Bio-Baumwolle erwarte. Man muss auch seine Grenzen kennen. Aber ich hätte gern den schönen festen Baumwollcanvas, der eine Jeans zu dem macht, was sie ist: nämlich eine belastbare Hose, die man überall anziehen kann. Aus einem mir vollkommen unerfindlichen Grund gibt es aber heutzutage eigentlich keine Jeans dieser Art mehr (ich fand dann doch noch eine, aber dazu später). Der Stoff, aus dem Jeans heutzutage sind, ist dünn, flimsy und fühlt sich seltsam an, was u.a. an dem unvermeidlichen Stretch (Lycra oder sowas) liegen mag, der anscheinend auch zum guten Jeanston gehört. Was in aller Welt will ich mit einer Hose aus Stretchmaterial, das auch noch dünn ist? Und dann die vorgefertigten Löcher und Flicken. Hallo????!!?? Ich brauche eine neue Hose, eben weil meine alte so durchgescheuert ist, dass ich sie einfach nicht mehr tragen kann (nein, nicht einmal mehr im Garten). Soll ich mir dann irgendein schissiges Material nehmen, dafür dann noch ein halbes Vermögen zahlen, damit die nagelneue Hose so aussieht, als sei sie schon 3 Jahre getragen worden? So sehen meine Hosen irgendwann von allein aus, dazu brauche ich keine Billigarbeiter in der Türkei, die dann aufgrund des dabei verwendeten aggressiven Materials tödliche Krankheiten kriegen und nach kurzer Zeit daran sterben, dass sie prima Jeanshosen so herrichten, als wären sie schon zu Tode getragen worden. Jedenfalls blieb mir nur eine einzige Hose, die mir a) weitgehend passte (nicht optimal, aber das liegt einfach an dem Schnitt und was Besseres fand ich in meiner Stadt einfach nicht, ich hätte noch nach Frankfurt dazu gekonnt *duh*) b) einfach aus guten, blauem Canvas ist  und c) kein Stretch und keine künstlichen Löcher oder sonstwas enthielt (achja und d) keine 200 EUR kostete). Dreimal dürft ihr raten, wobei ich letztendlich gelandet bin: genau, dem Klassiker, einer Levi's 501. Und nach dieser Odysee fragen mich die Leute immer noch, warum ich dabei bin mir meine Bekleidung selbst zu machen?

Handspindel 12.05.2009, 07.48

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