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Färbebücher II: Sasha Duerr

Sasha Duerr. The Handbook of Natural Plant Dyes. Personalize your craft with organic colors from acorns, blackberries, coffee, and other everyday ingredients. Timber Press. 2010. ISB-13: 978-1-60469-071-2. 15 EUR

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Das Handbook of Natural Plant Dyes ist ein weiteres der neueren Färbebücher auf dem Markt. Sasha Duerr ist Mitgründerin des Permacouture Institute, einer non-profit Organisation, die sich vor allen Dingen der Umwelterziehung von Großstadtkindern widmet. Entsprechend finden sich in loser Reihenfolge in dem Buch Informationen darüber, wie man einen Färbegarten anlegt (in der Regel mit essbaren Färbepflanzen), wie man kompostiert, sich um seine Textilien kümmert und sich Inspirationen aus der Natur holt. Exkurse über Ecoliteracy und Local Color finden sich zwischen brauchbaren Färberezepten mit Allerweltspflanzenfarben aus diversen Gewürzen (allen voran natürlich Kurkuma), Kaffee und Tee, Zwiebelschalen, sowie Eicheln, Beeren und den Blättern verschiedener Bäume und Sträucher. Während Rebecca Burgess ihre gelb-beige Farbpalette durch Standardfarben aus Krapp, Indigo und Cochenille erweitert, greift Sasha Duerr ausschließlich auf Beeren und andere meist essbare Samen und Früchte oder Küchenabfälle zurück.

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Das ist im Rahmen ihrer Färbeexperimente mit Kindern durchaus verständlich. Aus einer einfachen Färbesession wird ein Ausflug in die Natur. Es werden Beeren gesammelt, gekocht und gegessen und mit ihnen gefärbt. Gerade Kinder aus so genannten Problemvierteln haben keine Eltern, die mit ihnen auf den Markt gehen oder in den nächsten Hofladen fahren. Sie erleben Umwelt und Natur meistens nur (verfälscht) aus zweiter Hand über das Fernsehen und den mickrigen Baum in ihrem Innenhof. Entsprechend ist es für sie ein wichtiges Erlebnis, was alles mit den Pflanzen in ihrer direkten Umgebung gemacht werden kann. Dass die Befriedigung von Grundbedürfnissen nicht allein einer anonymen Industrie überlassen werden muss, sondern man sich auch aus einfachen Zutaten, die man am besten noch selbst gesammelt hat, Essen zubereiten kann und Kleidung verschönern.

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Mir bereitet die Verwendung von guten Lebensmitteln zum Färben allerdings immer ein wenig Bauchschmerzen. Brombeeren oder auch Holunderbeeren sind für mich eine Leckerei, die ich nie und nimmer zum Färben verwenden würde. Einerseits. Andererseits haben gerade Beerenfarben und Kurkuma einen entscheidenden Nachteil beim Färben: sie sind nicht lichtecht und/oder waschecht. Kurkuma wird immer wieder gern genommen, weil es ungiftig in der Verwendung und leicht erhältlich ist, es ist ein Direktfarbstoff und das Gelb ist unschlagbar. Es ist allerdings so wenig lichtecht, dass man ihm beim Ausbleichen zuschauen kann. (Wir reden hier von Tagen, nicht etwa Wochen, Monaten oder gar Jahren.) Beerenfarbstoffe verblassen und verwaschen ebenfalls relativ schnell zu grau und sind schließlich nicht mehr erkennbar. 

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An sich habe ich auch kein Problem damit. Eine Färberin sollte letztendlich selbst darüber entscheiden, ob sie ein Erbstück herstellen will, das auch noch in 100 Jahren brilliant aussieht oder ob das beerengefärbte T-Shirt halt in 3-5 Jahren wieder neu eingefärbt werden muss. Aber ich erwarte von einem Färbebuch, dass diese Problematik thematisiert wird. Sasha Duerr erwähnt auf einer Viertelseite die Flüchtigkeit von einigen Farben, bringt in einem Nebensatz sogar Kurkuma als Beispiel, verweist dann auf die möglichen kreativen Elemente und das war's. Kein weiterer Hinweis bei den einzelnen Rezepten, keine Tabelle, nichts. (Rebecca Burgess hält diese Information übrigens auch nicht für wichtig, wie es scheint.) Mir ist das zu wenig.

Es scheint, je mehr in einem Färbebuch auf Umweltfreundlichkeit geachtet wird, je mehr es um Nachhaltigkeit und auch eine gewisse Langsamkeit des Erlebens und ein bewusstes Herstellen geht, desto weniger gelten die klassischen Aspekte der Licht-, Reib- und Waschechtheit einer Farbe. In meinen Augen ist das ein sehr bedauerlicher Trend.

Und bevor ich zu den deutlich positiven Aspekten des Buches komme, noch ein Punkt, der mich wirklich aufgeregt hat:

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Diese Bilderreihe erscheint auf fünf Seiten und ist ein einziges Ärgernis.

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Die Aufnahme ist die einer leicht viskosen Flüssigkeit in wahrscheinlich Wasser. Ich gebe zu, die Anordnung ist extrem ästhetisch und mir ist auch auf den ersten Blick nichts aufgefallen. Auf den zweiten Blick merkte ich dann, dass da etwas nicht stimmen kann und auf den Dritten stellte ich endlich fest was es war. Die Farbwolken sind identisch. Da dies physikalisch nicht möglich ist, wurden die vier hübschesten Farbwolken kopiert und die Farben später eingefügt. Bildbearbeitung auf ihrem Höhepunkt. Ich gebe zu, Fotografien von Naturfarben in Färbebüchern sind mein Lieblingsärgernis. Aber Sasha Duerr hat hier meines Erachtens wirklich großen Mist gebaut.

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Doch wenden wir uns den positiven Aspekten des Buches zu.

Ihre Farbrezepte sind tadellos. Sie beschreibt sehr gut unterschiedliche Methoden des Farbextraktion (Heißextraktion, Kaltextraktion und echte Solarfärbung mit einer Bauanleitung für einen einfachen Solarofen sowie Hapa-zome und sie ist sogar so ehrlich India Flint als Begründerin dieser Methode zu nennen). Ihre Ausführungen zu Beizen (sie verwendet nur Alaun und selbstgemachtes Eisensulfat) sind prima und ihre Ausführungen zu Pflanzen, die als natürliche Beizen verwendet werden können sind gut lesbar und einwandfrei. Ich mag Ihre Färbeideen und auch die Lockerheit, mit der sie einfach (und einfache) Klamotten einfärbt und ihnen so zu einem neuen Leben verhilft. Und auch das etwas bohemian Layout sagt mir optisch sehr zu.

Ich habe Sasha Duerr und ihre Kollegin Kately Toth-Fejel von der Londoner Niederlassung des Permacouture Institute auf dem ISEND gesehen und ihre Begeisterung, mit der sie sich der Umwelterziehung von Kindern in Problemvierteln widmen ist ansteckend. Ich mag ihre Arbeit und schätze, mit Abstrichen, auch das Buch. Wobei es deutlich kein Muss ist.

Ich denke, es könnte sogar etwas für Färbeanfänger sein, denn wie gesagt, ihre Färbetheorien und -methoden sind tadellos. Am besten wäre es aber etwas für Kindergärtner oder Grundschullehrerinnen, die mit den Kindern diese Experimente durchziehen können. Denn machen wir uns nichts vor. Die Entfremdung von jeglichem grundlegenden Wissen und die mangelnde Erfahrung mit allem was Natur anbelangt ist nicht ein rein US amerikanisches Phänomen und auch nicht auf Kinder der so genannten sozialen Brennpunkte beschränkt. Auch dem durchschnittlichen deutschen Kind fehlt dieser Bezug in den meisten Fällen.

Handspindel 11.07.2011, 11.36

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Kommentare zu diesem Beitrag

2. von Sprotte

Hast du eines der Bücher von Helen Melvin?

vom 18.07.2011, 17.16
1. von Bettina

beim letzten satz stimme ich dir auf jeden fall zu, nicht nur kinder aus "schlechtem sozialem umfeld" fehlt der kontakt mit der umwelt! wenn ich mir hier so die kinder der nachbarschaft ansehe - kaum einer bekommt irgendetwas von der natur um sie herum mit - dito fuer die eltern. ich lebe auf dem lande, wo man sich in "natur" nur so suhlen koennte - wenn man denn wollte! eigentlich - sollte man da fast die eltern als "schlechtes soziales umfeld" betrachten? :(
ich frage mich inzwischen, ob es ueberhaupt "das ideale" faerbebuch gibt - wenn ja, kenn ich es nicht. entweder es hat tolle bilder, aber wenig oder zumindest fehlerhaften inhalt. oder es hat keine bilder oder kaum welche (wie die aelteren), enthaelt infos - aber auch viel "gift" bei beizen etc. irgendwas fehlt immer - und vermutlich ist es sehr oft heutzutage zumindest nichtmal ein mangel, den der autor zu verantworten hat - ich glaube, gerade diese bild- und farblastigkeit bei faerbebuechern geht viel von den verlegern aus. die wissen genau, dass hochglanzdruck sich besser verkauft als oekopapier mit "echten" bildern - schau dir kochbuecher an, wo es ganze riegen von "food designern" gibt! faerben und kochen aehneln sich da - die bilder sind dermassen verfaelscht, dass keiner, der den rezepten folgt, da erfolg haben kann :( watt lernt uns datt? selber ausprobieren - und keine faerbebuecher mehr kaufen :D

vom 11.07.2011, 15.27
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